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Hundeerziehung – Lernen durch Verknüpfung

Hundefernsehstars, wie Lassie oder Kommissar Rex lassen den unerfahrenen Zuschauer in dem Glauben, dass Hunde Zusammenhänge erfassen können und hierauf geeignet reagieren können. Kommissar Rex wird in der Realität wohl kaum einen Mörder überführen können, das obligatorische Stehlen der "Wurstsemmel" hingegen bekommt er auch ohne große Mühe hin. Die Möglichkeit nachzudenken oder zu kombinieren ist dem Verstand des Hundes nicht gegeben.

Die moderne Hundeerziehung beruht auf zwei Lernmethoden:

Klassische Konditionierung

Hier werden gewünschte Verhaltensweisen gleichzeitig oder sehr kurz darauf mit Dingen, beispielsweise einer Belohnung verknüpft. Führen Sie z.B. Hundeleckerlies in Ihrer Jackentasche und belohnen Ihren Hund regelmäßig aus dieser Tasche, so wird er Sie schon freudig wedelnd anhimmeln, sobald Sie nur die Hand in die Jackentasche stecken. Ein anderes Beispiel für die klassische Konditionierung in der Hundeerziehung ist das Trainieren der Grundkommandos, der Hund setzt sich hin und bekommt ein Leckerlie, dies verbinden Sie mit einem Sicht- oder Hörzeichen. Der Hund wird sich nicht hinsetzen, weil er Ihnen einen Gefallen tun möchte, sondern weil er das Hundeleckerlie haben möchte. Genauso verhält es sich mit allen anderen gewünschten Verhaltensweisen. Hier ist es wichtig, diese Übungen regelmäßig durchzuführen, damit der Hund das gewünschte Verhalten nicht vergisst.

Operante Konditionierung

Eine alternative Lernmethode in der Hundeerziehung ist die Operante Konditionierung, sprich Versuch und Irrtum, was man auch als Versuch und Erfolg interpretieren kann. Ein Beispiel hierfür könnte das klassische Leineziehen sein. Zieht der Hund wie verrückt an der Leine und Sie unterbinden dies nicht sondern stolpern hinter Ihrem Hund her, so hat er Erfolg. Bleiben Sie jedoch beispielsweise konsequent stehen oder wechseln Sie die Laufrichtung so hat der Hund hier keinen Erfolg, sondern unterliegt einem Irrtum. Erst wenn der Hund ein gewünschtes Verhalten an der Leine zeigt, wird der Spaziergang fortgeführt, aber auch sofort wieder unterbrochen, wenn er wieder an der Leine zerrt. Der Hund lernt also den Unterschied zwischen Erfolg und Irrtum. Ein weiteres Beispiel ist das Bellen und Jaulen vor einer verschlossener Tür und Ihrer Abwesenheit. Betreten Sie den Raum während Ihr Hund jault, verknüpft er dies als Erfolg: Jaulen = Frauchen kommt! Warten Sie jedoch ab, bis Ihr Hund sich beruhigt hat und betreten dann den Raum, erreichen Sie Ihr Ziel.

Zusätzlich werden noch zwei weitere Lernformen angewendet, nämlich die der Gewöhnung und der Sensibilisierung im Umgang mit dem Hund. Man kann Hunde in der Hundeerziehung an Lärm oder Gerüche gewöhnen. Welpen beispielsweise sollten zum geeigneten Zeitpunkt an Alltagsgeräusche und –situationen gewöhnt werden, damit diese sich später selbstsicher dagegen entwickeln. Die Reaktion des Hundes auf diese Lernformen ist in keinem Falle sicher vorherzusagen, es hängt oft von der seelischen Konstitution des Hundes ab. Bei der Sensibilisierung von Schutzhunden auf Schussgleichgültigkeit kann espassieren, dass der Knall dem Hund tatsächlich nichts ausmacht oder aber eine ausgewachsene Schussangst entwickelt.

Diese Lernarten in der Hundeerziehung sind nur dann wirklich effektiv, wenn der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Verhalten (erwünscht / unerwünscht) und Ihrer Reaktion (Lob / Tadel) stimmt. Ihr Hund kann Zusammenhänge nur dann verknüpfen, wenn sie unmittelbar hintereinander erfolgen. Unter unmittelbar versteht man 1 bis 2 Sekunden!!

Der Erfolg Ihrer Hundeerziehung hängt also im Wesentlichen davon ab, dass Sie die zeitlichen Zusammenhänge unbedingt einhalten. Als Beispiel führen wir das beliebte Stehlen vom Tisch auf: Erwischen Sie Ihren Hund dabei, wie er mit den Vorderpfoten am Tisch steht und Essen stiehlt, wirkt sich der Tadel (z.B. ein scharf gesprochenes "Nein" oder "Pfui") genau auf diese Handlung aus. Kommen Sie jedoch in den Raum und der Hund hat die Handlung beendet und kommt auf Sie zu, so wird er den Tadel darauf beziehen, dass er zu Ihnen kommt. Dies könnte bedeuten, dass er zukünftig weiter vom Tisch klaut, sich aber ängstlich Ihnen nähern wird! Auch bei den Übungen des Grundgehorsams ist es enorm wichtig hier das richtige Timing für die Belohnung zu finden.

Im weiteren Verlauf dieser Lektüre der Hundeerziehung werden wir aber intensiv auf die einzelnen Gehorsamsübungen eingehen.